Applaus aus Bern

November 1st, 2010

Kleist und Wolf Haas fallen Lukas Hunziker vom Online-Magazin Nahaufnahmen.ch als Vergleichsmaßstäbe für Pascolini ein:

Unter dem Strich ist “Pascolini” eine ebenso originelle und faszinierende wie sperrige Lektüre, die sich nicht besonders dafür eignet, in kleinen Häppchen gelesen zu werden. Nimmt man sich jedoch die Zeit, in die fiktive Geschichtsschreibung von Steinbeis einzutauchen, kommt man in den Genuss eines für die deutsche Literatur erfrischen ungewöhnlichen Leckerbissens.

Applaus aus Wien

October 8th, 2010

Maximilian Steinbeis’ Roman vom Wildern und vom Schmuggeln, von den ledigen Kindern und von den falschen Heiligen arrangiert so ziemlich alle verfügbaren Klischees vom rauen Oberbayern zu einem hyperrealistischen, wunderbar süffigen literarischen Panorama.

So der Falter, das legendäre Stadtmagazin aus Wien, in einer wunderbaren Rezension über Pascolini.

Von Kuhkäffern und Weltdörfern

October 5th, 2010

Der Bayerische Rundfunk hat eine sehr schöne Sendung über moderne Heimatromane gemacht, exemplifiziert an meinem Pascolini und an Moritz Rinkes “Mann, der durch das Jahrhundert fiel”.

Zu finden hier.

Lob aus Mannheim

July 30th, 2010

Für einen

anspruchsvollen, sprachmächtigen Roman, mit dem er sich in die erste Reihe der deutschsprachigen Autoren der Generation der um 1970 Geborenen schreibt,

hält Harald Loch im “Mannheimer Morgen” mein Buch.

Die Kunst besteht darin, im Besonderen das Exemplarische darzustellen. Steinbeis gelingt das mit dem Ernst seines Humors und der ganzen vergifteten Ironie seiner kultivierten Sprache.

Harald Loch leistet gemeinsam mit Natalia Liublina Großes in der Literaturbuchhandlung Zauberberg in Berlin-Friedenau, wo ich auch schon zu lesen die Ehre hatte. Die wird jetzt noch einmal enorm vermehrt durch diese wunderbare Besprechung. Vielen Dank dafür!

“Ein großer Wurf”

June 26th, 2010

Bayern zeigt sich literarisch am ergiebigsten, wenn man’s barock und durchaus krachledern als einen Landstrich irgendwie verstörter Ureinwohner schildert. Maximilian Steinbeis ist das bravourös gelungen, so elegant und schlank, nahezu fettfrei berichtet er von diesen renitenten Hinterwäldlern – und ob sein Buch nun Kriminalroman, Räuberpistole oder doch eine intellektuell verzurrte Feldstudie ist, das ist ganz unwichtig, weil derlei sekundäre Fragen nur den Spaß verderben, den dieses Buch mit seinen volkstümlichen Winkelzügen birgt.

So Lars Grote in der Märkischen Allgemeinen aus Potsdam, der Pascolini einen “sprachlich wunderbar nüchternen, grantelnden und dennoch lyrischen Gesellschaftsroman” nennt, und einen “großen Wurf”.

Die WELT ist begeistert, und Rosenheim zumindest nicht beleidigt

June 12th, 2010

Pascolini ist zwar kein Debüt-Roman, wie die WELT heute behauptet, aber hey:

eines der erfrischendsten, eigenwilligsten Debüts des Jahres,

finden Elisabeth Zettl und Elmar Krekeler. Und das freut mich schon sehr.

Am Donnerstag habe ich in Rosenheim gelesen, in der Stadt, in der ich neun Jahre lang ins Gymnasium ging. Ich war ein bisschen aufgeregt, ob mich meine Heimat jetzt noch liebhat. Aber kein Grund zur Sorge: Die Gäste in der Buchhandlung von Agnes Frohne waren neugierig, zugetan und nach der Lesung herzlich begeistert. Von meinen ehemaligen Schulkameraden und Lehrern hat sich kein einziger blicken lassen, shame on you.

Bayernversteher und Flötisten

May 27th, 2010

Am übernächsten Sonntag, den 6. Juni, wird Gerd Püschel beim Literaturfest auf dem Kollwitzplatz Pascolini-Bücher in hoffentlich großer Zahl verscherbeln, und nicht nur das, sondern auch T-Shirts im Pascolini-Design mit dem sinnigen Aufdruck “Bayernversteher” – so wird Gerd, der als Vertreter des Aufbau-Verlags den Berliner Buchhändlern auf das Enthusiastischste den Wert des Buches nahezubringen versucht, von seinen Kunden nämlich seit neuestem genannt.

In der Woche drauf lese ich in Rosenheim in der Buchhandlung Frohne. In Rosenheim bin ich zur Schule gegangen, auf das Ignaz-Günther-Gymnasium. Da haben auch Edmund Stoiber und Karl-Theodor zu Guttemberg Abitur gemacht, letzterer war eine Klasse unter mir (ich erinnere mich aber nicht an ihn). Mein 20-jähriges Abitreffen vor zwei Wochen habe ich verpasst. Ich bin gespannt, wie viele frühere Mitschüler am 10. Juni aufkreuzen werden. Und auch sonst auf das Echo in der Heimat. Hoffentlich wird’s kein Haberfeldtreiben.

Am 12. Juni lese ich ebenfalls vor lokalkoloriertem Hintergrund: Die Ehemaligen des Landschulheims Schondorf am Ammersee treffen sich in Berlin und haben mich zur Lesung eingeladen. In Schondorf war mein Vater und Dutzende meiner Onkels, Tanten und Vorfahren – ich nicht, mir hat Internat nie gelegen. Aber auf die Begegnung mit den “Altlandheimern” (so nennen die sich) freue ich mich.

Am 16. Juni bin ich wieder in Berlin zu hören, im Café Ilse Hühnchen in der Winsstraße. Das ist am Prenzlauer Berg und fern jeder Bayern-Assoziation – aber ganz so fern auch wieder nicht: Denn Wirt Sascha Friedl ist nicht nur einer der besten Kaffeebrauer der Stadt, sondern auch ein fantastischer Musiker, Flötist, und unüberhörbar ein bayerischer Landsmann, und als solchen kenne ich ihn seit meiner Rosenheimer Schulzeit. Ein weiterer Spitzenflötist, mein Freund Philipp Sterzer, wird zusammen mit dem Akkordeonisten Gerhard Schiewe spielen, ich werde lesen, es wird bestimmt ein toller Abend.

Und am Tag darauf bin ich im Buchhändlerkeller in Charlottenburg zu Gast – ein Ort mit großer Tradition.

Meine Videolesung auf ZEIT Online

May 21st, 2010

… ist hier zu finden.

Ich? Hinterfotzig?

May 11th, 2010

Das Buchjournal empfiehlt Pascolini seinen Lesern auf das Wärmste und charakterisiert mich zu meinem großen Vergnügen als jemand, dem

als ehemaligem Parlamentskorrespondenten des „Handelsblatts“ in Berlin keine Hinterfotzigkeit fremd

ist.

Pascolini und Tarrantino

May 5th, 2010

Ist Pascolini wie ein Tarrantino-Film? Mit dieser Frage konfrontierte mich gestern bei meiner Lesung im Literaturhaus in der Fasanenstraße ein Zuhörer und stürzte mich damit einigermaßen in Verwirrung.

Tarrantino ist ein großer Könner. Insofern ist so ein Vergleich natürlich schmeichelhaft. Trotzdem passte mir gestern abend etwas nicht daran, ohne dass ich artikulieren konnte, was.

Jetzt habe ich ein bisschen drüber nachgedacht und will versuchen, die Antwort, die ich gestern schuldig geblieben bin, nachzureichen:

Tarrantinos Filme sind fürchterlich gewalttätig. Pascolini auch.

Tarrantino legt eine verstörende Distanz zwischen die Fürchterlichkeit dessen, was passiert, und die Art und Weise, davon zu erzählen. Pascolini auch.

Tarrantino nutzt diese Distanz, um seine Filme gegenüber der Welt ironisch abzuschließen: Ist doch alles nur ein selbstreferenzieller Spaß, selbst wenn da einer mit einem rostigen Messer skalpiert wird. Seine Filme machen immun. Sie verhalten sich zu Gewalt so wie Johnny Knoxvilles Jackass zu Schmerz.

Pascolini nicht. Ganz im Gegenteil. Hoffe ich zumindest.

In Deutschland wird erst seit 1975 gekokst

Noch etwas war neu für mich an dem Abend im Literaturhaus: Das weiße Pulver, das Pascolini und seine Bande schmuggeln – ob das realistisch sei, wollte ein Zuhörer wissen. Koks habe es doch in der Nachkriegszeit in Deutschland noch gar nicht gegeben.

Meine Antwort war, der Roman spiele doch ohnehin vor der Folie eines fiktiven Geschichtsverlaufs. Wenn ich da nun auch noch Kokainschmuggel in den 50er Jahren dazuerfinde, sei das doch wahrhaftig auch schon egal. Tatsächlich hatte ich bis zum gestrigen Abend noch nie darüber nachgedacht, und darüber bin ich eigentlich froh. Ich könnte nie einen historischen Roman schreiben, weil ich die ganze Zeit damit zubringen würde, mir über die richtige Grenzziehung zwischen Fiktion und Rekonstruktion den Kopf zu zerbrechen.

Nach der Veranstaltung hat mir ein anderer Zuhörer versichert, im großen Stil gekokst werde in Deutschland tatsächlich erst seit 1975. Er wisse das, weil er damals als Arzt in der Psychiatrie gearbeitet habe.

Bei Ernest Wichner, dem Gastgeber und Moderator, bedanke ich mich sehr. Er ist das striktest vorstellbare Gegenteil von einem Dampfplauderer. Trotzdem bzw. deswegen haben wir uns vor der Veranstaltung so gut unterhalten, dass wir die Zeit vergaßen und zwanzig Minuten zu spät kamen zu unser eigenen Lesung.

Und bei allen Freunden, Bekannten, Verwandten und Lesern, die gekommen sind und mir zugehört haben, bedanke ich mich auch. Es war ein toller Abend.