Ein zarter Berserker … mit einer unheimlichen körperlichen Präsenz. Ein querköpfiger Mensch, der radikal immer sich selbst aussetzt und anarchistisch gegen die Welt wütet…
Naja, das sind so die Sachen, die halt geschrieben werden, wenn ein Riesenkerl von einem Oberbayern, direkt vom Bauernhof und quasi mit Erde an den Gummistiefeln und Kuhstallgeruch in der Strickjacke, plötzlich Theater spielt und Filme macht und Bücher schreibt und überhaupt all die Sachen tut, die sonst die zartgliedrigen Stadtbewohner gewohnt sind, unter sich auszumachen.
Ich habe heute morgen mit Josef Bierbichler telefoniert. Die gute Nachricht: Er findet “Pascolini” toll.
Man spüre da so seine Bedrohung, hat er gesagt. Das habe ihm sehr, sehr gut gefallen.
Ich muss gestehen, dass mich das ungeheuer freut. Das kommt von einem, der sich auskennt. Und wahrhaftig nicht als Schmeichler bekannt ist.
Eine Kritik hatte er allerdings anzubringen: Dass im Klappentext das Buch als “universeller Heimatroman à la Rosenmüller” bezeichnet wird, das missfiel ihm aufs Höchste. Er hätte es fast weggelegt daraufhin. Stimme auch gar nicht. Sei überhaupt nicht wie Rosenmüller. Soll mir Recht sein. Das war sowieso nicht meine Idee mit dem Hinweis auf Rosenmüller (wobei ich gegen dessen Filme gar nichts habe, im Gegenteil, “Wer früher stirbt…” war ein prima Spaß und die Schauplätze in Brannenburg, St. Margarethen und am Wendelstein sind immerhin die Stätten meiner Kindheit.)
Die schlechte Nachricht ist, dass er bei der Premiere nicht lesen wird. Das mache er sowieso normalerweise nicht. Er sei mal bei einer Lesung gewesen, wo ein Bauer die Reihen auf und abgegangen sei und den Leuten ins Gesicht geschaut habe. Die könnten alle nicht selber lesen, habe der Mann dann gesagt. Das habe ihm imponiert. In meinem Fall, so sagte er, hätte er es sich überlegt, ausnahmsweise. Aber im März und im April müsse er drehen.
Das ist wahnsinnig schade. Aber die Freude überwiegt.
Josef Bierbichlers erste Filmrolle 1976, in Werner Herzogs “Herz aus Glas“, hieß übrigens Hias. Wenn das kein Zufall ist…