Bayernversteher und Flötisten

Am übernächsten Sonntag, den 6. Juni, wird Gerd Püschel beim Literaturfest auf dem Kollwitzplatz Pascolini-Bücher in hoffentlich großer Zahl verscherbeln, und nicht nur das, sondern auch T-Shirts im Pascolini-Design mit dem sinnigen Aufdruck “Bayernversteher” – so wird Gerd, der als Vertreter des Aufbau-Verlags den Berliner Buchhändlern auf das Enthusiastischste den Wert des Buches nahezubringen versucht, von seinen Kunden nämlich seit neuestem genannt.

In der Woche drauf lese ich in Rosenheim in der Buchhandlung Frohne. In Rosenheim bin ich zur Schule gegangen, auf das Ignaz-Günther-Gymnasium. Da haben auch Edmund Stoiber und Karl-Theodor zu Guttemberg Abitur gemacht, letzterer war eine Klasse unter mir (ich erinnere mich aber nicht an ihn). Mein 20-jähriges Abitreffen vor zwei Wochen habe ich verpasst. Ich bin gespannt, wie viele frühere Mitschüler am 10. Juni aufkreuzen werden. Und auch sonst auf das Echo in der Heimat. Hoffentlich wird’s kein Haberfeldtreiben.

Am 12. Juni lese ich ebenfalls vor lokalkoloriertem Hintergrund: Die Ehemaligen des Landschulheims Schondorf am Ammersee treffen sich in Berlin und haben mich zur Lesung eingeladen. In Schondorf war mein Vater und Dutzende meiner Onkels, Tanten und Vorfahren – ich nicht, mir hat Internat nie gelegen. Aber auf die Begegnung mit den “Altlandheimern” (so nennen die sich) freue ich mich.

Am 16. Juni bin ich wieder in Berlin zu hören, im Café Ilse Hühnchen in der Winsstraße. Das ist am Prenzlauer Berg und fern jeder Bayern-Assoziation – aber ganz so fern auch wieder nicht: Denn Wirt Sascha Friedl ist nicht nur einer der besten Kaffeebrauer der Stadt, sondern auch ein fantastischer Musiker, Flötist, und unüberhörbar ein bayerischer Landsmann, und als solchen kenne ich ihn seit meiner Rosenheimer Schulzeit. Ein weiterer Spitzenflötist, mein Freund Philipp Sterzer, wird zusammen mit dem Akkordeonisten Gerhard Schiewe spielen, ich werde lesen, es wird bestimmt ein toller Abend.

Und am Tag darauf bin ich im Buchhändlerkeller in Charlottenburg zu Gast – ein Ort mit großer Tradition.

Ihr Kommentar: