Wortspiele in der Heimat

Johan de Blank hatte mich eingeladen, bei seinem Literaturfestival WortSpiele in München dabei zu sein.

Das hat großen Spaß gemacht. Die Muffathalle am Isarufer, hinter dem Müller’schen Volksbad, ist ein toller Veranstaltungsort, das Publikum war jung und zahlreich, die anderen Autoren interessant und nett – alles sehr angenehm.

Ich war als erster dran. Der eingeplante Moderator, Zafer Senocak, war krank geworden, Martin Zeyn vom Bayerischen Rundfunk sprang ein und stellte mir gleich zur Vorstellung die Frage des Schreckens: Ist Pascolini eigentlich ein Heimatroman? Naja, ich war drauf vorbereitet und habe gesagt, was ich auf diese Frage immer sage: Keinesfall im Sinne von behaglichem kuscheligen Almöhi-Idyll, aber natürlich schon ein Spiel mit dem Genre und so weiter.

Der Heimatroman ist in den 80er Jahren, gemeinsam mit dem Heimatfilm, zum Inbegriff des Kitsches geworden. Er suggeriert, dass es einen Ort gibt, der authentischer und echter und eigentlicher ist als das moderne Leben. Und das ist gar nicht wahr. Diese gelogene Wahrhaftigkeit ist an Gemeinheit kaum zu überbieten.

Deshalb ist Pascolini, wenn überhaupt, höchstens in dem gleichen Sinn ein Heimatroman, wie Nabokovs Lolita ein erotischer Roman ist.

Update: Audio aus der Lesung hier.

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